Übertragungen nach Afghanistan: ARD soll sich Beispiel an ZDF nehmen, fordert der Reservistenverband
21. Dezember 2010
Bonn – „Es ist der politische Wille der Mehrheit des Bundestages, dass wir über Monate hinweg Soldaten an den Hindukusch zu einem Einsatz entsenden. In der wenigen Freizeit sollen sich die Soldaten zumindest über die Geschehnisse in ihrer Heimat angemessen und ausgewogen informieren können“, sagt Roderich Kiesewetter, Stellvertreter des Präsidenten des Reservistenverbandes. Er bemängelt deshalb, dass das Erste Deutsche Fernsehen den Sendebetrieb nach Afghanistan eingestellt hat. „Die ARD sollte sich deshalb ihres öffentlich-rechtlichen Auftrags bewusst bleiben. Sie ist als Anstalt des öffentlichen Rechts für eine Grundversorgung aller Bürger mit Informationen zuständig. Deshalb möchte ich das Zweite Deutsche Fernsehen loben. Das ZDF will weiterhin senden. Das finde ich gut“, so der Bundestagsabgeordnete.
Der ARD-Senderverbund begründet die Einstellung ihres Sendebetriebs nach Afghanistan laut aktueller Medienberichterstattung mit zu hohen Kosten. Das ZDF hingegen will auch weiterhin zum Hindukusch senden. „Wir sind weiter auf Eutelsat empfangbar, das heißt also auch für die Soldaten in Afghanistan. Wir freuen uns auf viele Zuschauer für die heute-Nachrichten“, sagt Elmar Theveßen, stellvertretender ZDF-Chefredakteur, auf Anfrage des Reservistenverbandes.
Besonders befremdet in diesem Zusammenhang das Gebaren der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) aus Köln. Sie fordert von alleinstehenden Soldaten auch für die Zeit im Auslandseinsatz GEZ-Gebühren. Auf Nachfrage des Reservistenverbandes heißt es von der GEZ: „Rundfunkgeräte können während einer vorübergehenden Abwesenheit von der Wohnung nicht abgemeldet werden, denn der Gesetzgeber macht die Gebührenpflicht nicht vom tatsächlichen Gebrauch der Geräte abhängig.“ Die GEZ nennt jedoch eine Möglichkeit, der Gebührenpflicht zu entgehen: „Wenn alle Rundfunkgeräte aus allen genutzten Räumlichkeiten - auch Speicher, Keller und Garage – entfernt werden, können die Rundfunkgeräte abgemeldet werden.“
Zurzeit setzt die Bundeswehr insgesamt 4.691 Männer und Frauen in Afghanistan ein. 360 von ihnen sind Reservisten. Sie kommen überwiegend in der Verwaltung, bei der Feuerwehr, im Feldpostdienst und bei der sogenannten Zivil-Militärischen Zusammenarbeit (Cimic) zum Einsatz.
Hintergründe zum Reservistenverband
Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V. (VdRBw) – so der volle Name des Reservistenverbandes – wurde am 22. Januar 1960 in Bonn gegründet und hat seitdem seinen Sitz mit Bundesgeschäftsstelle in der Bundesstadt am Rhein. In ganz Deutschland betreuen etwa 100 Geschäftsstellen nicht nur die über 123.000 Mitglieder. Der Verband ist zuständig für alle Reservistinnen und Reservisten der Deutschen Bundeswehr in der sogenannten freiwilligen Reservistenarbeit. Er vereint alle Dienstgrade vom Gefreiten bis zum General sowie die fördernden Mitglieder.
Der VdRBw tritt für die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland ein und erfüllt einen parlamentarischen Auftrag: Im Mittelpunkt stehen die Mittlerrolle der Reservisten für die Streitkräfte in der Gesellschaft, deren sicherheitspolitische Bewusstseinsbildung und die Erhaltung und Weiterbildung militärischer Fähigkeiten. Der VdRBw erhält jährliche Zuwendungen aus dem Verteidigungsetat des Bundeshaushalts: im Jahr 2010 sind es 13,763 Mio. Euro (2009: 13,857 Mio. Euro).
Getragen wird der Reservistenverband von seinen Mitgliedern und ihrem freiwilligen Engagement in den rund 2.400 Reservistenkameradschaften, Kreis- und Bezirksgruppen. Das Präsidium und die 16 Vorsitzenden der Landesgruppen bilden gemeinsam das Erweiterte Präsidium, die Führungsspitze des Verbandes.
ENDE DER MELDUNG
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